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Schmale Reifen mit langer Tradition

von Zugang Deutschland Cup Cross

Deutschland Cup Cyclo-Cross in Albstadt presented by Sparkasse Zollernalb

Mountainbike-Rennen, den Cross-Country-Weltcup in Albstadt, das kennt (fast) jeder.  Ein Cyclo-Cross-Rennen wie das am 18. November 2018 am Albstadion in Albstadt-Ebingen dagegen, das muss man öfter mal erklären. Und das obwohl es die viel, viel ältere Radsport-Disziplin ist. Allerdings ist sie längst nicht überall so in Vergessenheit geraten wie in Deutschland.

 

Um die Jahrtausendwende 1899/1900 schon, so gibt es die Radsport-Geschichtsschreibung preis, wurde auf Rennrädern im Gelände gefahren. Die frühen Helden der Landstraße nutzten es an der französischen Riviera als Training und kamen irgendwann auch auf die Idee mal eine Strecke abzustecken. Wann, das weiß man nicht so genau, aber damit war das Cyclo-Cross, wie es die Franzosen nennen oder Querfeldein, wie es im Deutschen ursprünglich heißt, geboren.

Das Critérium International, das heute als Straßenrennen firmiert, wurde von 1924 bis in die Kriegsjahre hinein als Cyclo-Cross-Rennen ausgetragen. Und, wie gesagt, es waren Straßenprofis, die den Sport betrieben.

 

Die ersten Weltmeisterschaften gab es jedoch erst 1950 in Paris und hinter der Etablierung als Wintersport steckte auch der Versuch den Straßenrennsportlern über die kalten Monate hinweg eine Einnahme-Quelle zu erschließen.  Es war kein Zufall, dass Leute wie Klaus-Peter Thaler oder Rolfs Wolfshohl Querfeldein-Weltmeister wurden, die hauptsächlich auf der Straße ihre Brötchen verdienten.

 

Im Benelux, am meisten in Belgien, entwickelten sich die Rennen allerdings zu Volksfesten und es entstand ein Spezialistentum.

Weil die Disziplin in Belgien spätestens in den 60ern so populär wurde und die Leute infolgedessen auch sehr gut bezahlt wurden, begannen die Belgier das Geschehen über viele Jahre hinweg klar zu dominieren. Acht Belgier in den Top-Ten des Weltcups, das war keine Seltenheit.  Eine Koryphäe wie Sven Nys ist dort eine Art Volksheld. Inzwischen haben die Niederländer wieder ein wenig aufgeschlossen, vor allem in Person von Mathieu van der Poel und auch Lars van der Haar.

 

Wenn hier nur von den Herren der Schöpfung die Rede ist, dann, weil es bis ins Jahr 2000 dauerte, ehe man den Damen bei Weltmeisterschaften auch ein Rennen einräumte. Die Berlinerin Hanka Kupfernagel gewann den Titel, den ersten von insgesamt vieren. Von da an, holten die Frauen sukzessive auf und inzwischen herrscht auch im Damenfeld eine Leistungsdichte, die für sehr spannende Rennen sorgt. Zum Teil sind diese turbulenter als bei den Herren.

 

In Deutschland kann die Disziplin Radcross – so nennt man das in der Schweiz – an Popularität nicht mit Belgien oder den Niederlanden mithalten. Doch die schmalen Reifen sind auch offroad wieder auf dem Vormarsch. Das erneute Aufleben der Sportart, sichtbar zum Beispiel in den USA, Schweiz und in Großbritannien, ging auch am deutschen Radsport nicht vorbei. Immer häufiger sieht man Radsportler mit geländetauglichen Rennrädern, die etwas stabiler daherkommen, sich aber sonst nicht groß unterscheiden. Den damit eng verwandten „Gravel Bikes“, auf denen man etwas komfortabler sitzt, werden steigende Verkaufszahlen attestiert. So sieht man doch mehr und mehr Leute auf Sportgeräten mit Rennradlenker und schmalen Reifen über Feldwege und Schotterwege flitzen, einfach, weil sie flexibler sind als reine Straßenrenner und schneller als Mountainbikes.

 

Dass es in Albstadt am 18. November 2018 einen Deutschland-Cup im Cyclo-Cross und ein gutes Jahr später auch die Deutschen Meisterschaften in dieser Disziplin geben wird, das hängt auch mit dieser Entwicklung zusammen. Schließlich schreibt man damit auch eine, in den 90er-Jahren unterbrochene, Tradition fort.

 

Weitere Infos zum Event und zur Anmeldung finden Sie unter www.albstadt-crossrace.de

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